Historischer Holzschnitt von Forno di Zoldo, 1894

Vom Eisen zum Eis

Geschichte des Tals

Vom Tal der Schmiede zum Tal der Eismacher.

Foto: Unbekannter Künstler (1894), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Kaum ein Dolomitental hat eine so ungewöhnliche Geschichte. Über Jahrhunderte lebte das Val di Zoldo vom Eisen. Als dieses Geschäft zusammenbrach, wanderten die Zoldaner aus und wurden zu den Eismachern Europas.

Römer am Civetta

Die ältesten Spuren im Tal sind in den Fels gemeißelt. An den Nordhängen des Civetta oberhalb von Pecol, im Val de le Ziolere, gibt es römische Inschriften aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus. Sie markierten die Grenze zwischen den Gebieten von Bellunum, dem heutigen Belluno, und Iulium Carnicum, dem heutigen Zuglio in Friaul. Im Tal heißen sie einfach „Scritte Romane“. Ein Pfad führt von Pecol aus Richtung Rifugio Coldai zu der Felswand. Den genauen Weg erfragt man am besten im Tourismusbüro Val di Zoldo.

Unter dem Markuslöwen

Von 1404 bis zum Ende der Republik im Jahr 1797 gehörte das Tal zum Herrschaftsgebiet Venedigs. Für die Lagunenstadt war es doppelt wertvoll: Aus den Wäldern kam Holz, unter anderem für das Arsenal, die große Schiffswerft Venedigs. Und aus den Schmieden kam Eisen. Nach den Kriegen der Liga von Cambrai (ab 1508) erlebte das Tal eine Zeit des Wohlstands.

Auch die berühmten Gondeln haben eine Verbindung zu unserem Tal. Viele der Bootsbauer in Venedig, die squerarioli, waren Bergleute aus dem Cadore und dem Zoldo Tal, die mit Holz umgehen konnten. Am Squero di San Trovaso im Viertel Dorsoduro, einer der ältesten Gondelwerften der Stadt aus dem 17. Jahrhundert, sieht man das bis heute: Das Werkstatthaus aus Holz mit seinen Balkonen sieht eher aus wie ein Haus in den Dolomiten als wie ein venezianischer Palazzo.

Nach dem Ende Venedigs wechselten sich französische und österreichische Herrschaft ab, zuletzt gehörte das Tal zum habsburgischen Königreich Lombardo-Venetien. 1866 wurde es, zusammen mit dem übrigen Venetien, Teil des Königreichs Italien.

Das Tal der Schmiede

Wegweiser „La Via del Ferro“ im Wald
Die „Via del Ferro“ erinnert heute an die Wege der Erzträger und Schmiede.

Schon der Name des Hauptorts verrät es: Forno di Zoldo heißt „Ofen von Zoldo“. Im Tal wurde seit dem Mittelalter Erz abgebaut und verhüttet. Im späten Mittelalter soll es sieben bis acht Schmelzöfen gegeben haben, später nur noch drei. Auch Ortsnamen wie Fusine (von „fucina“, Schmiede) erzählen davon.

Als die großen Öfen in Fusine, Forno und zuletzt Dont schlossen, spezialisierten sich die Handwerker auf kleine Eisenwaren, vor allem auf Nägel. So entstand der Beruf des ciodarot, des Nagelschmieds. Ein geübter Nagelschmied soll an einem Tag bis zu 500 Schuhnägel geschmiedet haben. Die Nägel aus Zoldo gingen in Schiffsrümpfe, Dächer und Schuhsohlen, und vieles davon nach Venedig.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlossen sich Meister und Schmiede noch einmal in einer „Società Industriale Zoldana“ zusammen. Doch gegen die maschinell hergestellten Nägel der neuen Fabriken hatten die Handwerker keine Chance. Das Hochwasser von 1890 traf die Werkstätten am Maè schwer, die große Flut vom November 1966 beendete die Reste der Eisenverarbeitung endgültig.

Wie hart das Leben der Bergleute war, zeigt das verlassene Dorf Arsiera am Col Dur. Dort wurden Blei- und Zinkerz abgebaut, heute stehen nur noch Ruinen im Wald, und eine kurze Wanderung führt hin.

Tipp: Museum für Eisen und Nägel

Im ehemaligen Palazzo del Capitaniato in Forno di Zoldo zeigt das Museo del Ferro e del Chiodo Werkzeuge, Nägel und die Geschichte der Schmiede. Wer das Handwerk in echt sehen will, findet mit der Schmiede in Pralongo eine erhaltene historische Werkstatt. Öffnungszeiten bitte vorher prüfen.

Holzschnitt von Forno di Zoldo aus dem Jahr 1894
Forno di Zoldo auf einem Holzschnitt von 1894, kurz nach dem Hochwasser von 1890. Foto: Unbekannter Künstler (1894), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Die Eismacher aus dem Zoldo Tal

Als das Nagelgeschäft Ende des 19. Jahrhunderts zusammenbrach, mussten viele Familien ihr Glück woanders suchen. Viele wurden Eismacher. Wie das genau anfing, ist nicht ganz geklärt. Erzählt wird, dass der erste Sorbet-Macher aus dem Nachbarort Zoppè stammte und das Handwerk in Venedig gelernt hatte. Schriftliche Belege für handwerkliche Eisherstellung aus dem Tal gibt es ab 1873. Möglich wurde das Geschäft auch durch den Zucker: Im 19. Jahrhundert machten die neuen Rübenzuckerfabriken Zucker zum ersten Mal billig und für alle erschwinglich. Erst damit konnte Speiseeis in großen Mengen hergestellt und günstig verkauft werden.

Zuerst zogen die Männer im Sommer mit Eiswagen durch die Straßen Österreichs und Deutschlands. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde daraus ein richtiges Gewerbe: In den 1930er-Jahren gab es Dutzende Eisdielen von Zoldanern in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die große Auswanderung in den deutschsprachigen Raum. 1969 gründeten die Eismacher in Frankfurt am Main ihren Verband Uniteis.

Bis heute verbringen viele Familien aus dem Tal Frühling und Sommer in ihrer Eisdiele in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden und kehren im Winter heim. Gut möglich also, dass die Eisdiele um die Ecke ihre Wurzeln im Val di Zoldo hat.

Die ganze Geschichte der Eismacher: Die Eismacher →

Zeitleiste

  • 2./3. Jh. n. Chr.Römische Grenzinschriften am Civetta.
  • MittelalterErzabbau und Eisenverhüttung im Tal, mehrere Schmelzöfen.
  • 1404–1797Das Tal gehört zur Republik Venedig. Holz und Eisen gehen in die Lagune.
  • 1857John Ball besteigt den Monte Pelmo, einen der ersten bestiegenen großen Dolomitengipfel.
  • 1866Das Tal wird Teil des Königreichs Italien.
  • 1873Erste schriftliche Belege für handwerkliche Eisherstellung.
  • 1890Hochwasser trifft die Schmieden am Maè.
  • 1963Die Katastrophe am Vajont zerstört Longarone am Taleingang.
  • 1966Das große Hochwasser beendet die Eisenverarbeitung endgültig.
  • 1969Gründung des Eismacherverbands Uniteis in Frankfurt.
  • 1972In Forno di Zoldo wird der Eishockeyverein USG Zoldo gegründet.
  • 1990erDie große Zeit des Zoldo-Eishockeys: dreimal in der höchsten italienischen Liga, dazwischen an der Spitze der zweiten Liga.
  • 2009Die Dolomiten werden UNESCO-Weltnaturerbe. Das Eisstadion in Soccampo verliert um diese Zeit sein Dach.
  • 23. Februar 2016Forno di Zoldo und Zoldo Alto schließen sich zur Gemeinde Val di Zoldo zusammen.
  • Herbst 2026Das Eisstadion bekommt ein neues Dach und soll wieder öffnen.

Ein Tal auf dem Eis

Zur jüngeren Geschichte des Tals gehört auch das Eishockey. Der Verein USG Zoldo wurde 1972 in Forno di Zoldo gegründet und erlebte in den 1990er-Jahren seine große Zeit: dreimal spielte das kleine Bergtal in der höchsten italienischen Liga, dazwischen gehörte es zur Spitze der zweiten Liga. Die ganze Geschichte steht auf der Seite Eishockey.

Die Gemeinde heute

Seit 2016 bilden die früheren Gemeinden Forno di Zoldo und Zoldo Alto die Gemeinde Val di Zoldo mit Sitz in Fusine. Sie umfasst rund 142 km² und hat heute knapp 3.000 Einwohner, Tendenz sinkend. Das kleine Zoppè di Cadore am Fuß des Pelmo ist eine eigene Gemeinde, gehört aber kulturell zum Zoldano.