Viele italienische Eiscafés in Deutschland, Österreich und den Niederlanden werden von Familien aus dem Val di Zoldo und dem benachbarten Cadore geführt. Aus einem kleinen Tal der Nagelschmiede wurde in gut hundert Jahren eine Heimat der Eismacher. Meine eigene Familie ist eine davon.
Vom Nagel zum Eis
Jahrhundertelang lebte das Tal vom Eisen. Die Nagelschmiede, die ciodarot, lieferten bis nach Venedig. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machten Fabriknägel das Handwerk wertlos, und viele Familien mussten das Tal verlassen, um Geld zu verdienen.
Wie aus Schmieden Eismacher wurden, ist nicht ganz geklärt. Erzählt wird, dass der erste Sorbet-Macher aus dem Nachbarort Zoppè stammte und das Handwerk in Venedig gelernt hatte. Schriftliche Belege für handwerkliche Eisherstellung aus dem Tal gibt es ab 1873. Möglich wurde das Geschäft auch durch den Zucker: Im 19. Jahrhundert machten die neuen Rübenzuckerfabriken Zucker zum ersten Mal billig und für alle erschwinglich. Erst damit konnte Speiseeis in großen Mengen hergestellt und günstig verkauft werden.
Mit dem Eiswagen über die Alpen
Zuerst zogen die Männer im Sommer mit Eiswagen durch die Straßen Österreichs und Deutschlands und kehrten im Herbst heim. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden daraus feste Eisdielen. In den 1930er-Jahren gab es schon Dutzende Eisdielen von Zoldanern in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die große Auswanderung in den deutschsprachigen Raum. 1969 gründeten die Eismacher in Frankfurt am Main ihren Verband Uniteis.
Ein Leben in zwei Ländern
Typisch für die Eismacher ist der Rhythmus: Von Februar oder März bis in den Herbst steht die Familie in der Eisdiele im Norden, im Winter geht es zurück ins Tal. Die Kinder wachsen oft zweisprachig auf und gehen mal hier, mal dort zur Schule. Darum stehen im Zoldo viele Häuser im Sommer leer und füllen sich im Winter, und darum sprechen im Tal so viele Menschen Deutsch.
Tipp: die Eismesse in Longarone
Gleich am Eingang des Tals findet in Longarone jedes Jahr Ende November oder Anfang Dezember die Mostra Internazionale del Gelato Artigianale (MIG) statt, eine der ältesten Messen für handwerkliches Speiseeis, seit Anfang der 1960er-Jahre. Hier treffen sich die Eismacherfamilien vor der neuen Saison. Die genauen Termine stehen bei Longarone Fiere.
Kurz gefragt
- Warum kommen so viele Eismacher aus dem Zoldo Tal?
- Als Ende des 19. Jahrhunderts das Geschäft mit den Nägeln zusammenbrach, wanderten viele Familien aus und wurden Eismacher. Das Wissen gaben sie in der Familie und im Tal weiter.
- Wie erkenne ich, ob meine Eisdiele aus dem Zoldo kommt?
- Am einfachsten fragen. Viele Familien erzählen gern davon.
- Wo kann ich mehr darüber erfahren?
- Auf unserer Seite Geschichte, im Museum für Eisen und Nägel in Forno di Zoldo und bei der Eismesse in Longarone.
Gut möglich, dass auch die Eisdiele bei Ihnen um die Ecke ihre Wurzeln im Zoldo Tal hat. Dann lohnt sich ein Besuch, im Sommer wie im Winter: das Tal entdecken.
